Vertreter aus Namibia fordern eine offizielle Entschuldigung für die deutschen Kolonialverbrechen in dem afrikanischen Land. „Deutschland steht vor einer klaren Wahl: das Unrecht fortzuschreiben – oder der Menschenwürde gerecht zu werden durch die vollumfängliche Anerkennung des Völkermords an den OvahHerero und Nama und durch glaubhaftes, wiedergutmachendes Handeln“, sagte Paramount Chief Mutjinde Katjiua, Oberhaupt der OvaHerero Traditional Authority, am Mittwoch in Berlin. Am Abend wollte sich der Bundestag mit der deutschen Kolonialgeschichte befassen. Dazu liegen dem Parlament zwei Anträge aus der Opposition vor, die den Blick auf Namibia richten. In der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika begingen die Deutschen zahlreiche Verbrechen. Sie gipfelten zwischen 1904 und 1908 in einem blutigen Kampf gegen die einheimischen Herero – auch OvaHerero genannt – und Nama. Der Antrag der Linken trägt den Titel „Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit“. Ziel der Grünen ist es, die deutsch-namibische Versöhnung voranzutreiben und die Kolonialgeschichte weiter aufzuarbeiten. In einer 2021 paraphierten „Gemeinsamen Erklärung“ hatten sich Deutschland und Namibia darauf verständigt, die Ereignisse „aus heutiger Perspektive“ als Völkermord zu bezeichnen. In den nächsten 30 Jahren sollen rund 1,1 Milliarden Euro in Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte in Namibia fließen. Das Papier ist in der namibischen Öffentlichkeit jedoch weiter heftig umstritten. So läuft derzeit noch ein Gerichtsverfahren zur „Gemeinsamen Erklärung“. Der Antrag der Linken entstand in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der OvaHerero und Nama. Sie fordern unter anderem finanzielle Wiedergutmachung, die Rückführung aller geraubten menschlichen Gebeine und Kulturgüter aus deutschen Institutionen sowie eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung. Man wolle den Nachfahren der Opfer Gehör verschaffen und ihre Forderungen in den Bundestag tragen – „ins Herz der deutschen Demokratie“, so die Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion für globale Gerechtigkeit, Charlotte Neuhäuser. „Was wir selbst in der Hand haben, sollten wir jedoch jetzt angehen“ Die Grünen betonten, man wolle dem in Namibia anhängigen Gerichtsverfahren nicht vorgreifen. „Was wir selbst in der Hand haben, sollten wir jedoch jetzt angehen: die Aufarbeitung des Völkermords in Deutschland, in unserer Gesellschaft und an unseren Schulen“, sagte die Bundestagsabgeordnete Jamila Schäfer der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Laut Darstellung des Bündnisses „ Völkermord (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/voelkermord/) verjährt nicht!“ kämpfen die Nachkommen der Überlebenden nicht nur gegen die seit der Kolonialzeit bestehende Armut. Sie müssten sich auch gegenüber deutsch-nationalistischen Siedlerverbänden mit Verbindungen zur AfD behaupten.